32 Stunden Höllenritt: Im Bus von Laos nach Kambodscha

Wir hatten also beschlossen, so schnell wie möglich nach Kambodscha zu fahren. Vor uns lagen leicht bezwingbare 700 km. Doch diese 700 km sollten sich als absoluter Horrortrip entpuppen. Ein Horrortrip von unglaublich langen 32 Stunden, für den wir darüber hinaus noch viel zu viel bezahlt haben.
Eines Abends in Vientiane, und die Odyssee beginnt:

Der Sleeping Bus von Vientiane nach Pakse (ca.9 Stunden)
Pakse liegt in Laos, auf halbem Weg nach Siem Reap. Der Bus ist zweistöckig, mit kleinen, engen Betten für 2 Personen. Wir können richtig liegen, es gibt Kissen und Decken. Leider ist die Fahrweise des Busfahrers so haarsträubend…also Beruhigungstablette einwerfen und Gute Nacht. 9 Stunden, und wir sind relativ ausgeschlafen um 5 Uhr morgens in Pakse. Nur stellt sich heraus, dass Pakse am A.d.W. ist. Öffentliche Transportmittel existieren so gut wie nicht. Noch dazu sind mal wieder nicht am öffentlichen Busbahnhof, sondern einfach an einem Platz.

Südostasien-Neulinge müssen wissen: Wenn man “organisiert” reist, stoppen die Busse immer an beliebigen Plätzen fernab des Ortes, wo man eigentlich hin will. Um zu verhindern, dass wir Backpacker die billigen, öffentlichen Verkehrsmittel nutzen. Viel lieber wird nun die Tuk Tuk-/Moped-/Taximafia eingesetzt, die uns dann zum vierfachen Preis an unser gewünschtes Ziel bringt. Deshalb versuchen wir eigentlich IMMER, uns im Dschungel der öffentlichen Verkehrsmittel zurecht zu finden und vermeiden, Tickets über Reisebüros und Hotels zu buchen. Das klappt leider nicht immer. Für die lange Strecke von Vientianne nach Siem Reap eben leider auch nicht.
(Manchmal verschwören sich einfach alle gegen Backpacker. In Luang Prabang zum Beispiel gingen wir zum Busbahnhof und fragten nach einem Local Bus…also nach einem, mit dem die Einheimischen von A nach B gelangen. Die verweigerten uns doch glatt die Auskunft oder ignorierten uns gekonnt. Am Ende fanden wir uns wieder in einem überteuerten Tourbus voller Westler. Also wenn da keine Mafia im Spiel ist…)

Unser ursprünglicher Plan war, die Strecke nach Siem Reap etappenweise zurückzulegen. Das warfen wir allerdings schnell wieder über Bord, denn wir erfuhren, was man als asienerfahrener Reisender eigentlich wissen sollte: Ist man irgendwo im nirgendwo gestrandet, kostet Transport eben das, was die Einheimischen für uns “reiche” Westler als angemessen erachten. Uns blieb also nichts anderes übrig, als zu versuchen, mit dem nächsten Touribus gleich weiter nach Siem Reap zu fahren. Der fuhr natürlich vom selben dubiosen Platz aus. Um 7 Uhr. Doch noch hatten wir kein Ticket.  Die geritzten Busfahrer erkannten natürlich unsere Lage und versuchten, uns einen Betrag abzuknüpfen, den wir locker für einen Flug bezahlt hätten. Was für eine Diskussion! Von wegen, die Asiaten wollen ihr Gesicht nicht verlieren. Nach einer gefühlten Stunde des Handelns, Gepäck in den Bus laden, Gepäck wieder ausladen, in den Bus steigen, wieder aussteigen, mit dem Gepäck wutentbrannt weglaufen und sich schmollend auf eine Bank setzen, dabei von den neugierigen Blicken der anderen Touristen gemustert zu werden, die sich ohne mit der Wimper zu zucken lieber abzocken lassen als zu diskutieren, geschah das Wunder: Wir bekamen die zwei Tickets zu einem Preis, der zwar immer noch zu viel war, den wir aber akzeptieren konnten. Leider hatten wir nun fast kein Bargeld mehr.

Der “VIP Bus” von Pakse in den Süden von Laos (ca. 6 Stunden)
Der engste Bus überhaupt, ohne Beinfreiheit und Klimaanlage doch dafür mit Plastikhockern im Gang. Super. Zum Glück ergatterten wir noch einen Sitzplatz. Wir fuhren von dem dubiosen Platz los und sammelten andere Touris vor ihren Hotels in Pakse ein. Wieder einmal hatten die Asiaten das gemacht, was sie am liebsten machen: mehr Tickets verkauft als Sitzplätze vorhanden. Wie das gelöst wird? Einfach die für asiatische Verhältnisse viel zu großen Westler auf viel zu kleine Plastikhocker im viel zu engen Gang des Busses sitzen lassen. Für 5 Stunden. Komisch, dass sich von denen keiner beschwert hat. Schließlich haben sie eine Menge für einen Sitzplatz im “VIP Bus” bezahlt.

Der Minibus zum Grenzübergang
Irgendwann hielten wir wieder an einem dubiosen Platz. Hier saßen schon ca. 50 andere Backpacker und warteten. Klo sollte kosten. Super, ohne Bargeld. Noch dazu kein ATM. Keine Zeit zum Ausruhen, wir werden gleich in einen Minibus verfrachtet, der uns zur Grenze bringt. Die anderen Backpacker haben wohl andere Destinationen als Ziel.

Der Grenzübergang von Laos nach Kambodscha
Zusammen mit ca. 10 anderen Backpackern werden wir an der Grenze rausgelassen. Die Grenze ist in dem Fall irgendwo im nirgendwo. Eine Schranke. 2 Bruchbuden im Abstand von 300 m. Wir nehmen unser Gepäck und laufen los. Am zweiten Gebäude angekommen, halten uns 2 Beamte auf: Wir sollen wieder zurück und uns einen Ausreisestempel holen. Komisch, die anderen sind doch auch durchgekommen. Zusammen mit 2 anderen Pechvögeln laufen wir zurück, holen uns den Stempel. Jetzt sollen wir für das Visum bezahlen, in Dollar. Die hatten wir zum Glück noch. Bestens hatten wir uns vorher informiert: Das Visum an der Grenze von Laos zu Kambodscha kostet 20 Dollar pro Person. Freudig hielten wir die 40 Dollar in die Höhe, doch der Beamte schüttelte nur den Kopf. 60 Dollar sollte es kosten, ohne Widerrede. Was für eine Abzocke. Wir hatten kein Geld mehr, was nun? Sollte er uns hier einfach im nirgendwo stehen lassen? Einer unserer Busfahrer bot uns plötzlich an, uns das restliche Geld auszulegen. Wir gaben ihm alles, was wir hatten. Und er verschwand für eine Stunde mit unseren Pässen. Hilfe. Wir sollten ihm das Geld später zurück zahlen, wenn der Bus an einem ATM hält.

Der Bus von der Grenze nach Kompong Cham, Kambodscha (ca. 12 Stunden)
Auf der anderen Seite der Grenze wartete wieder ein großer Bus. Doch Schock: Kein einziger Sitzplatz mehr frei. Die Plastikhocker wurden gezückt, und ich war mit dem Nerven und mit meiner Kraft am Ende.
(Ich sollte dazu erwähnen, dass ich seit einer Woche unter der typischen Reisekrankheit in Südostasien litt. Konnte also weder Flüssigkeit noch Essen bei mir behalten und war dementsprechend geschwächt.) Ein Mann hatte wohl Mitleid mit mir, und überließ mir seinen Platz. Wo ich auch sofort in einen tiefen Schlaf fiel. Robert hatte weniger Glück: Für den teuren Ticketpreis bekam er einen billigen Plastikhocker. 12 Stunden lang sollte er da sitzen? Wir fuhren durchs tiefste, ländliche Kambodscha. Die Straßen noch schlechter als in Laos, mega tiefe Schlaglöcher. Keine Pinkelpause. Irgendwann hält der Bus und eine kambodschanische Frau, wohl eine Freundin des Busfahrers, steigt ein. Sie setzt sich auf den Sitzplatz bis vorne. Erst da realisieren wir, dass dieser Platz die ganze Zeit von jemandem für diese Frau freigehalten wurde. Eine Frau, die NICHTS für dieses Ticket bezahlt hat. Plötzlich, endlich eine Pause mit Möglichkeit zum Essen. Robert ergreift die Möglichkeit und setzt sich neben mich. Die japanische Backpackerin, die neben mir saß, setzt sich auf den Platz der kambodschanischen Freundin. Und das Unheil nimmt seinen Lauf. Die Busfahrer und die Frau schreien rum. (wieder einmal Gesichtsverlust!) Wir Backpacker halten zusammen. Bekräftigen die Japanerin, sie solle nicht aufstehen. Die Kambodschaner beleidigen sie aufs Äußerste. Rufen jemanden an, wohl ihren Chef, drohen uns. Wir argumentieren, dass wir für das Ticket bezahlt haben, die Frau dagegen nicht. Sie endet auf Roberts Plastikhocker. Irgendwann ist Ruhe. Es wird dunkel.
(Achja, das Geld mussten wir dem Busfahrer ja auch noch zurück zahlen. Im Endeffekt natürlich mehr als insgesamt 60 Dollar. Ein Kanadier hatte Mitleid und legte uns den Betrag aus. Der Bus hielt nämlich doch nicht an einem ATM).

Der VIP Bus von Kompong Cham nach Siem Reap (ca. 4 Stunden)
Wow, ein echter VIP Bus. Mit breiten, bequemen Sitzen und Beinfreiheit. Leider Klimaanlage. Es ist kalt, aber bequem. Wir schlafen. Um ca. 2.30 Uhr nachts kommen wir in Siem Reap an. Und die Hotelsuche beginnt.

Sleeping Bus nach Pakse.

Da lachen wir noch.

Grenzübergang nach Kambodscha.

Touris auf Plastikstühlen im Gang.

Immigration office of Cambodia.

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