Schwanger beim Backpacken – und jetzt?

Hilfe! Jetzt ist es schon über ein Jahr her, der Beginn der Schwangerschaft. Ich habe gerade in einem verstaubten Ordner auf meiner Festplatte einen Text gefunden, den ich in dieser Zeit geschrieben habe. Den möchte ich heute mit euch teilen, und ein bisschen in Erinnerungen schwelgen. Hach, war das eine aufregende Zeit!

Plötzlich ist es passiert. Was für eine Überraschung. Aber irgendwie auch klar, was würde man sonst von uns erwarten. Nicht geplant und doch gefreut. In Bolivien, genauer gesagt in der Riesen-Metropole La Paz, auf 4000 Meter Höhe. Drei Wochen später, am Machu Picchu in Peru: Regel überfällig. Nichts dabei gedacht, hatte ich doch Magen-Darm und eine fette Grippe, und dann noch in dieser Höhe. Wird schon noch kommen. Trotzdem beschleicht mich ein komisches Gefühl: keine Lust auf Alkohol, Riesenhunger, aber nichts essen können. Was soll das denn jetzt? Fünf Tage später in Perus Hauptstadt Lima: immer noch nichts da. Die Brust spannt und sieht riesig aus. Wir beschließen, einen Test zu kaufen, den ich gleich noch am selben Tag auf der Kundentoilette im gemütlichen Kulcafé mache, zwischen Schokokuchen und Nachmittagstee.

Zwei Streifen. Positiv. Schockiert und sehr überrascht. Und was jetzt? Reise abbrechen und nach Hause fliegen? Weiter reisen?

Erstmal ein paar Tage Auszeit am Strand. Erstmal alles verdauen. Die Schwangerschaft -ein Mysterium. Ich sehe und spüre nichts. Habe untypisch viel Hunger. Gucke täglich auf die zwei Streifen, die ich in meinem Waschbeutel mit transportiere. Eine Woche später, im Süden Ecuadors: Jetzt geht es los. Ziehen im Unterleib, schmerzende Brüste, extreme Müdigkeit, Atemnot bei kleinster Anstrengung. Ach, da war ja was! Unsere Reisepläne schmeißen wir über Bord. Keine Amazonastour mehr oder dreitägige Höhenwanderung. Ab jetzt heißt es: Schlafen was das Zeug hält. Aufstehen, frühstücken, schlafen, Snack essen, chillen, Abend essen, schlafen. Zum Glück haben wir ein entspanntes Hostel gefunden. Eine Woche später, im Norden Ecuadors: Endlich der ersehnte Arzttermin in Quito. Ein modernes Ärztezentrum mit deutschsprachigem Frauenarzt. Er bestätigt die Schwangerschaft. 9. Woche. Auf dem Ultraschall sehen wir das Würmchen zum ersten Mal, und hören seinen Herzschlag. Es ist also echt wahr! Wir freuen uns riesig, können es aber trotzdem noch nicht so richtig glauben.

Die Anweisungen vom Arzt: Nicht schwer tragen, nicht mehr höher als 3000 Meter, keine Busfahrten länger als 5 Stunden, nicht an die Küste wegen Dengue Fieber Gefahr. Was können wir jetzt überhaupt noch machen? Mein Rucksack wiegt 17kg. Quito liegt auf 2.800 m. In Kolumbien wollten wir an den Strand. Wir müssen noch bis Bogota, von da geht unser Rückflug. Wir beschließen, nach Bogota zu fliegen. Eine Stunde Flug gegen dreißig Stunden Bus.

In der letzten Woche in Ecuador quält mich Übelkeit. Als Vegetarierin in Südamerika hab ich es ja schon nicht leicht gehabt. Als schwangere Vegetarierin, die plötzlich von allem gesunden Essen, was ihr vorher geschmeckt hat, angeekelt ist, hab ich verloren. Mir bleiben nur noch trockenes Weißbrot und Äpfel. Das bessert sich langsam in Kolumbien. Ganz langsam kommt mein Appetit zurück, und endlich schmecken Broccoli, Kartoffeln, Salat und co. wieder richtig gut. Wir lassen es uns trotz Dengue Gefahr am Strand gut gehen. Die extreme Hitze gepaart mit hoher Luftfeuchtigkeit machen mir zu schaffen. Also lieber den ganzen Tag am schattigen Pool liegen, was gibt es schöneres? Von jetzt an geht es aufwärts. Bin ich überhaupt schwanger? Ein kleines bisschen zeigt sich da ein Bäuchlein…könnte aber auch vom vielen Essen kommen. Ansonsten fühle ich mich wieder total normal. Mir bleibt nur das abwarten, bis zum nächsten Ultraschall in Deutschland. Bis wir unser kleines Weltenbummler-Baby endlich wiedersehen.

  2 comments for “Schwanger beim Backpacken – und jetzt?

  1. 5. Februar 2019 at 1:40

    Hallo Julia
    Ich bin gerade auf deine Website gestoßen und habe jetzt doch mal eine frage ? Wir macht ihr das mit eure Versicherung ? Übernimmt die alles? Ich meine die Schwangerschaftsvorsorge und auch die Geburt ?

    Lg Natalie

    • Julia
      12. Februar 2019 at 7:01

      Hallo Natalie. Der Beitrag ist ja schon etwas älter. Damals war ich nur einmal bei der Vorsorge in Ecuador. Dies hat ganz normal unsere Auslandskrankenversicherung von Hanse Merkur übernommen. Den Rest der Vorsorge und die Geburt habe ich dann in Deutschland gemacht. Ansonsten sind Vorsorge Untersuchungen ja gar keine Pflicht. Ich bin gerade für zwei Monate in Thailand und wieder schwanger, und lasse in dieser Zeit auch keine Vorsorge machen. Der Rest dann wie gehabt in Deutschland. Ob die Geburt im Ausland übernommen wird, hängt wohl von der jeweiligen Versicherung ab, und ob du vor Ort in ein Krankenhaus gehen möchtest, oder nur mit Hilfe einer Hebamme gebären möchtest. Planst du eine Geburt im Ausland? Hoffe ich konnte dir weiter helfen. Liebe Grüße, Julia

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