Unser Insel-Leben Part II

Von Koh Phangan zieht es uns genau auf die andere Seite Thailands. Eine zehnstündige Anreise steht uns bevor. Wir schippern mit der Fähre ans Festland, fahren mit dem Bus, dem Minibus und schließlich mit dem Speedboat auf die nächste Insel: Koh Phayam. Hier wollen wir die nächsten vier Wochen bleiben. Ein enormer Kontrast zu Koh Phangan: Die Insel ist nur zehn Kilometer lang und 5 Kilometer breit, es gibt keine richtigen Straßen, keine Autos, kein Krankenhaus, keinen 7/11 Supermarkt, keine Geldautomaten, keine großen Ressorts. Alles ist noch ein bisschen ursprünglicher, die Bungalowhütten einfacher. Bis vor kurzem gab es nicht einmal den ganzen Tag Strom. Kein Partytourismus. Die Insel verströmt eher eine gemütliche, chillige, relaxte Festivalatmosphäre, mit vielen kleinen Reggae Bars. Unser Bungalow liegt im Nordwesten der Insel, am ruhigen Buffalo Beach. Es ist Nebensaison und die Anlage wie ausgeflogen. Der Generator am Eingang dröhnt laut. Zum Glück schlafen wir weit genug davon entfernt und müssen ihn nicht die ganze Zeit hören. Unser kleiner Bungalow liegt in der zweiten Reihe vom Strand, aber wir können trotzdem auf das Meer blicken. Der Strand ist paradiesisch schön. Feinster, weißer Sand, türkisglitzerndes Wasser und dicht bewachsene, schattenspendende Bäume. Bei Ebbe allerdings zieht sich das Wasser um einen ganzen Kilometer zurück. Zum Vorschein kommen die verschiedensten Muscheln, kleine und große Krebse, Stöcke und Seegras. Ein Paradies zum Spielen und Entdecken für Frida. Unser Bungalow ist sehr spartanisch eingerichtet. Ein Bett, darüber ein Moskitonetz gespannt, ein Ventilator, ein kleines Regal, das wars. Daneben das einfache, halboffene Bad mit einem Duschkopf, Waschbecken und der Toilette. Hier wohnt auch unser Mitbewohner für die nächsten vier Wochen: Ein wunderschöner, (halbe Armlängen-)großer Gecko. Unsere Terrasse ist aber schön groß. Es gibt einen kleinen Erker, in dem ich meine Yogamatte ausbreite, drei Stühle und einen kleinen Tisch. Hier verbringen wir viel Zeit mit Essen, malen und spielen. Ansonsten sind wir vollkommen zufrieden mit unserer Unterkunft. Uns reicht nur noch das Nötigste. Die meiste Zeit verbringen wir sowieso nicht im Bungalow, sondern draußen.
Die Tage und Wochen verschwimmen ineinander und irgendwann wissen wir wirklich nicht mehr, ob nun Dienstag oder Freitag ist. Wir leben ein richtiges Inselleben, spontan in den Tag hinein. Die meiste Zeit verbringen wir am Strand. Liegen gemütlich in der Hängematte, lassen uns im glasklaren Meer treiben, hüpfen über kleine Wellen, bauen Sandburgen, reiben uns mit Matsch ein, sammeln Muscheln und Steine, malen mit Stöcken Bilder in den Sand, machen Eisbecher aus Sandkugeln, verfolgen Krebse, machen Wettrennen, spielen Fußball.
Die Tierwelt ist auch hier auf der Insel fleißig anzutreffen: Die grüne Schlange im Baum vor unserer Anlage können wir öfters beobachten. Spinnen, Ameisen, Kakerlaken, Geckos und Riesenkäfer haben wir täglich im Bungalow. Doch das stört uns fast gar nicht. Außer die kleinen Ameisen unter unserem Kissen, die nachts über unsere Haut laufen und uns durch lästiges Jucken Aufwecken. Am coolsten aber sind die Nashorn Vögel, die hier auf der Insel leben. Manchmal fliegen sie direkt über unsere Köpfe.
Wir haben auch unser Stammrestaurant gefunden: Cha Chai Home, ein vegan-vegetarisches Restaurant, einen Kilometer von unserem Bungalow ins Landesinnere. Wir können gemütlich auf Kissen auf dem Boden sitzen, alles draußen natürlich. Hier sind wir jeden Tag anzutreffen, manchmal auch mehrmals. Das Essen ist einfach zu gut, und die Besitzer unglaublich symphatisch.
Ansonsten ernähren wir uns jeden Tag von Cashewnüssen die hier wachsen. Hier auf Koh Phayam stehen unendlich viele Cashewbäume. Wusstet ihr, was es für eine gefährliche, anstrengende Arbeit ist, Cashewnüsse zu ernten? Die Nuss wächst unten an einem Cashewapfel, und im Inneren der Nussschale befindet sich eine hochgefährliche, ätzende Flüssigkeit. Diese färbt alles schwarz und muss von den Arbeitern erstmal beim Anrösten der Nüsse in einer Pfanne über offenem Feuer verbrannt werden, wobei gesundheitsschädlicher Rauch entsteht. Jede einzelne Nuss wird dann per Hand geschält und in der Sonne getrocknet, und schlussendlich verpackt. Wir können jede einzelne  Nuss jedenfalls jetzt richtig wertschätzen.
Ein weiteres Highlight der Insel ist eine Bar: Am Nordende des Buffalo Beachs befindet sich eine Hippie Bar, die aussieht wie ein uriges Piratenschiff aus Fluch der Karibik. 20 Jahre haben ein paar Hippies daran gebaut. Es sieht wirklich spektakulär aus.
Die letzte Woche haben wir nicht mehr so Glück mit dem Wetter. Die Regenzeit naht, und für einige Tage schüttet es jeden Tag ein paar Mal wie aus Eimern. Für uns ist es eine erfrischende Abkühlung. Haben wir uns doch mit April den heißtesten Monat Thailands rausgesucht: 38Grad im Schatten bei 80% Luftfeuchtigkeit sind an der Tagesordnung. Diese Hitze schlaucht enorm, und jeder Schritt wird zur Anstrengung. Der Schweiß rinnt uns beim Sitzen ganz von alleine , ohne dass wir uns bewegen müssen. Manchmal duschen wir viermal am Tag. Das Wasser ist allerdings auch keine Abkühlung und hilft nur für einen kurzen Moment. Das Meer misst eines Tages unglaubliche 36 Grad. Am “schönsten” ist es dann, wenn wir abends aus dem warmen Meer steigen. Denn dann fühlt sich die Luft schon ein bisschen kalt an und ein Hauch von Frieren macht sich bei uns breit. Auch wenn die Luft bestimmt auch noch 30 Grad hat. Nein, das werden wir definitiv nicht vermissen.
Wir treffen auch ein paar Reisefamilien, mit denen wir uns gut anfreuden und Frida freut sich über Spielkameraden.
An unserem letzten Abend gehen Robert und ich nachts unterm funkelnden Sternenhimmel ins Meer und erleben ein einzigartiges Schauspiel: Leuchtendes Plankton. Es glitzert wie tausend Diamanten, wenn wir uns im Wasser bewegen. Magisch und wunderschön.

Die Zeit auf der Insel war jedenfalls richtig toll, entspannt und entschleunigend. Wir kommen sicher wieder!

 

 

 

 

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