Unsere Zeit in Pai

Von Chiang Mai fahren wir mit dem Minivan durch grüne Dschungelberge und viele haarsträubende Kurven in drei Stunden nach Pai. Hier wollen wir die nächsten fünf Wochen bleiben. Unser erster Eindruck ist ernüchternd. Pai ist so viel größer, als wir es uns vorgestellt haben. Man kann schon von einer kleinen Stadt sprechen. So viele Touristen. So viele Hostels, Bars, Restaurants, Cafés. Dennoch sind wir positiv gestimmt. Denn die Natur drumherum ist wirklich wunderschön. Die ersten zehn Tage schlafen wir im Chilling Hill Guesthouse – eine günstige Unterkunft, einer sehr herzlichen kleinen Familie, auf einem Hügel mit tollem Blick über die Stadt. Danach ziehen wir, zusammen mit meiner Mama, die seit Chiang Mai mit uns reist, in ein kleines Häuschen am Ortsrand. Hier haben wir zwei Schlafzimmer, ein Wohnzimmer, ein Bad, eine große Terrasse und eine riesige Außenküche. Von dort aus blicken wir in ein Reisfeld und eine Wiese mit 4 Kühen, die in den nächsten Wochen unsere besten Freunde werden. Unser Haus ist richtig schön und sauber. Es ist eines von 8 Häusern, das in einen Hof eingebettet ist. Unsere Vermieterin kauft uns zur Begrüßung eine ganze Ladung frisches Obst und Gemüse. Später besorgt sie uns auf Wunsch sogar einen Mixer. Uns soll es an nichts mangeln. Eine Küche zu haben ist toll. Wir kochen fast jeden Abend frisch. Ein echtes Highlight für uns sind die vielen Märkte. Wir gehen meistens nachmittags zum Einkaufen dort. Es herrscht eine ganz besondere Atmosphäre. Allerlei frisches, exotisches Obst und Gemüse, Fleisch, Fisch, junge Kokosnüsse, Nüsse und Gewürze werden am Straßenrand angeboten. Wir müssen nicht mal vom Roller steigen, sondern fahren gemütlich von Stand zu Stand und laden unsere Taschen voll. So macht Einkaufen Spaß. Wer braucht da schon Supermärkte? Zum Frühstück bereiten wir jeden Tag leckere Smoothie Bowls zu. Die Zutaten dafür holen wir uns im Garten unserer Vermieterin. Hier wachsen Koriander, Salat, Frühlingszwiebeln, Rucola, Kohl und noch mehr. Unser Paradies! Noch besser sind allerdings die vielen Papayabäume, die auf unserem Grundstück stehen. Irgendwann haben wir den Dreh raus, frische Papayas zu ernten: Einer stupst die reife Frucht mit einer langen Bambusstange an, der andere fängt sie schnell auf. So süße Papayas haben wir in unserem ganzen Leben noch nie gegessen. Falls an “unseren” Papayabäumen keine reifen Früchte hängen, gehen wir nebenan in das kleine Bio-Restaurant “The Link” – die Besitzerin dort kennt uns und pflückt uns gerne eine Papaya von ihren Bäumen. Dort trinken wir außerdem öfter die leckersten Smoothies von ganz Pai. Alle Zutaten kommen frisch aus dem Garten. Sogar einen kleinen Spielplatz gibt es hier. Wir sind dort also ziemlich regelmäßig zu Gast. Auch unsere Kühe freuen sich über frische Papayas. Wir füttern sie ab und zu mit den Papayaschalen. Und Frida freut sich, wenn die Kühe sich freuen. Es sind zwei Mamas mit ihren Kälbern. Auf der anderen Straßenseite unserer Hauses befindet sich ein Resort. Wir dürfen dort kostenlos den Pool der Anlage benutzen. Ein Stückchen die Straße weiter liegt ein kleiner Garten, in dem eine große Buddha Figur und alte Altarhäuschen stehen. Ein Mönch wohnt dort in seinem Zelt und kümmert sich um die heilige Stätte. Wir besuchen ihn ab und zu, aber Frida hat Angst vor ihm. Noch ein paar Schritte weiter und wir stehen an einem Fluss, an dem wir uns abkühlen können. Allerdings ist es in Pai lange nicht so heiß und feucht wie unten auf den Inseln. Tagsüber genießen wir angenehme 27 Grad. Sobald die Sonne untergeht, wird es “eisig”. 10 Grad sind keine Seltenheit. Also kaufen wir uns ein paar dicke Jacken im Second Hand Shop, die uns auf dem Roller wärmen. Für einen Monat haben wir nämlich zwei Roller gemietet, damit wir mobil sind. In die “Walking Street”, das heißt ins Stadtzentrum, fahren wir nur 5 Minuten. Dort reihen sich Souvenirläden an Beerpong Bars und Hostels. Jeden Abend verkaufen dort unzählige Essensstände Köstliches aus aller Welt. Es ist praktisch und macht Spaß, dort zu essen. Denn viele Cafés schließen hier schon um 17 Uhr. Zu unseren “Stamm-Ständen” gehört der Falafelstand, der Stand mit veganen Schokobällchen, ein Salat-Stand, ein Momo-Stand (Teigtaschen) und ein Foodtruck, der den besten veganen Chai Tee verkauft. Dort sitzen wir meistens auf den kleinen Plastikhockern mit einer dampfenden Tasse in der Hand und beobachten das bunte Treiben. Viele Chinesen sind hier, aber auch viele junge, westliche Backpacker, die Party machen wollen. Familien sehen wir hier vereinzelt, aber nicht so gebündelt wie auf den Inseln.  Auch eine alternative Szene gibt es hier, aber man muss wissen, an welchen Orten sie sich rumtreibt. Im  Café “Good Life” in der Walking Street findet zum Beispiel dreimal die Woche eine geführte, kostenlose Meditation statt. Robert und ich begeben uns ein paar Mal in den Zustand der Mindful Meditation, 45 Minuten lang. Danach fühlen wir uns so leicht, frei und entspannt. Zum Yoga schaffen wir es allerdings nicht einmal. Dafür haben wir uns eine Yogamatte gekauft und üben regelmäßig auf unserer Terrasse. Unser Alltagsleben hier ist nicht sehr anders als in Deutschland, nur gespickt mit der gelassenen Mentalität der Thais und gutem Wetter. Vormittags verbringen wir meistens im Haus, machen Yoga, lesen, spielen, zeichnen, arbeiten online. Je nach Lust und Laune. Manchmal machen wir auch Ausflüge und schauen uns die wunderschöne Umgebung von Pai an, baden in heißen Quellen oder im Wasserfall (Zu unseren Trips mache ich noch einen extra Beitrag). Oder wir gehen gegenüber in den Pool, auf den Spielplatz oder treffen uns mit unseren neuen Freunden Josi, Olaf und ihrer Tochter Salome (http://www.backpackbaby.de), auch eine Familie auf Reisen. Frida und Salome sind richtige Freundinnen geworden. Fünf Wochen leben wir so. Pai fühlt sich immer vertrauter an, und das ist gut. Trotzdem fühlen wir uns hier nicht angekommen. Es ist schön, eine bestimmte Zeit hier zu verbringen, aber für immer wollen wir nicht bleiben. Auch wenn das Abschiede bedeutet. Von meiner Mama, von Josi, Olaf und Salome. Wir freuen uns, weiterzuziehen. In das nächste Abenteuer.

 

       

  1 comment for “Unsere Zeit in Pai

  1. Igrid Menz
    12. Februar 2018 at 17:20

    Tolle Bilder und ein eindrucksvoller Bericht.
    Liebe Grüße und Alles Gute für die nächste Station… Ini

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