Willkommen bei den Hippies

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Ich sitze auf einem steinharten Bett in einer 20 Jahre alten Holzhütte, nur wenige Meter vom Strand entfernt. Der Regen prasselt so laut auf das einfache Dach, dass ich mein eigenes Wort nicht mehr verstehe. Die Tür steht offen, draußen baumeln Robert und Frida gemütlich in der ausgeblichenen Hängematte. Ich lasse meinen Blick schweifen. Eine Wäscheleine und ein selbstgebautes Regal, das mit Muscheln verziert ist. Mehr gibt es hier nicht. Auf dem sandigen Holzboden verstreut liegt unser Hab und Gut. Der Ventilator hinter dem Bett brummt laut und bläst mir frischen Wind in die Haare. Der alte Holzboden ist voller Spalten und kleiner Löcher. In der Nacht wimmelt es hier von Kakerlaken, Ameisen, Mücken und Geckos. Neben dem Bett geht es ins Badezimmer. Eine Tür gibt es nicht. Eine Toilette, ein Waschbecken, und ein Duschschlauch, aus dem nur kaltes Wasser kommt. Dazu ein offener Spalt unter dem Dach. Es riecht nach Räucherstäbchen und Citronella, das aus unserer gekauften Duftlampe strömt und die hartnäckigen Moskitos abhalten soll. Die Luft ist so feucht, dass meine Haare seit Tagen nicht richtig trocknen. Unsere Klamotten, die auf der Wäscheleine im Zimmer hängen, sind allesamt klamm. Die Feuchtigkeit kriecht durch jede Ritze.

Seit einer Woche befinden wir uns auf der Insel Koh Phangan in dem kleinen Örtchen Srithanu. Der Pilgerort für alle Yogis, Hippies, Veganer, Spirituelle, und die, die es werden wollen. Ein Ort, an dem wir ausnahmsweise mal nicht die Exoten sind. Hier werden wir nicht schief angeguckt, wenn wir etwas ohne Zucker bestellen. Wo es normal ist, dass die Mehrheit vegan isst und die Kinder alle ohne Windel umher laufen. Wir fühlen uns hier ziemlich wohl, angekommen und unter Gleichgesinnten. Es gibt einen kleinen Bioladen, wo in handbeschrifteten Gläsern selbstgemachte Energiebällchen, vegane Bountys und Hummus verkauft werden. Viele gemütliche Restaurants, in denen man auf dem Boden sitzt und MSG kein Fremdwort ist. Dazu eine handvoll süßer Shops, die selbstgebastelten Schmuck anbieten, ein 7/11 Supermarkt, einige Rollerverleihe, Wäschereien und Massagestudios. Ein guter Mix eben. Abgerundet wird das Ganze von etlichen Yoga Retreats, Healing Centres und Meditationsworkshops. Man kann sich hier innerhalb weniger Wochen zu allem ausbilden lassen, was in der Gesundheitsszene einen Namen hat: Yogalehrer, Reiki-Therapeut, Thai Massage Experte.

Wir landen in den Seaview Rainbow Bungalows*. 4 Tage brauchen wir, um uns eine Hütte für einen Monat klar zu machen. Ein deutsches Paar, das schon seit 2 Monaten in der ersten Hütte vom Strand wohnt, hilft uns dabei. Ihr Bungalow sieht aus wie das Innere eines Ein-Euro Shops. Bunte Lichterkette auf der Terrasse, Muscheldeko hier, kitschige Kunstblumen da. Jedenfalls richtig heimelig. Mit dem Gedanken, dass sich die beiden sicherlich hier auskennen, fragen wir einfach mal nach. Bingo: Sie bringen uns zum richtigen Ansprechpartner, nämlich ihrem Vermieter. Und der hat tatsächlich auch noch was für uns. Hoffnungslos überteuert trotz Monatsrabatt, aber wir zahlen für die Lage. Es ist die vierte Hütte vom Strand. Nur wenige Meter trennen uns vom türkisfarbenen Meer. Wir hören das leise Rauschen der Wellen von unserer Terrasse. So nah am Strand haben wir noch nie gewohnt. Was will man mehr? Es ist ein einfaches Leben. Aber eines, das uns glücklich macht. Wir merken, wir brauchen nicht viel zum Glücklich sein.

Nach einem Monat in Thailand haben sich unsere Englischkenntnisse auf das Nötigste reduziert. Die Thais reden selbst nicht gut Englisch. Würden wir in einem ganzen Satz antworten, würden sie uns gar nicht verstehen. Also haben wir es uns angewöhnt, in “Thai Englisch” zu sprechen. Das klingt dann z.B. so:

No, i don´t need a plastic bag = No need bag

Do you have coconuts? = Have Coconuts?

I don´t like it = No like

Undsoweiter. Hoffentlich können wir uns das wieder abgewöhnen.

Familien treffen wir hier übrigens richtig viele an. Alternative Familien, die hier überwintern oder auf Dauerweltreise sind oder ortsungebunden arbeiten. Alle suchen nach einem alternativen Leben abseits von 9-5, Kindergarten und Schule. Die Gespräche mit ihnen sind sehr inspirierend.  Manche haben 4 Kindern, andere reisen mit Mini Babys. Da soll noch mal einer sagen, mit Kleinkindern kann man nicht in Asien Urlaub machen.

Auch hier haben wir uns wieder einen Roller geliehen, um mobil zu sein. So lässt sich die Insel einfach am besten erkunden. Wir machen einen Ausflug zum Haad Salad Beach, an dem wir damals vor 7 Jahren schon einmal waren. Der Strand ist nicht wieder zu erkennen. Oder besser gesagt: Wir müssen den Weg zum Strand erstmal suchen. Denn in jede noch so kleine Lücke wurde ein Ressort gequetscht, mit dem Ergebnis, dass jetzt alles zugebaut ist. Es ist nicht mehr viel übrig von dem Idyll von damals. Der Strand ist natürlich immer noch schön. Wenn man sich nicht umdreht….

Die meiste Zeit verbringen wir dann doch an unserem Strand in Srithanu. Weißer, feiner Sand, ein breiter Strandabschnitt, flaches Wasser und ein paar Guesthouses mit Bars. Es ist genau die richtige Mischung. Jeden Abend schauen wir den Sonnenuntergang an. Und jedes Mal winkt Frida dem feuerroten Ball zu, kurz bevor er ins Meer eintaucht.

Hier ein paar Impressionen:

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Auf dieser Organic-Farm gibt es die leckersten Smoothies.

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Unsere Holzhütte für einen Monat

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  3 comments for “Willkommen bei den Hippies

  1. Ingrid Menz
    9. März 2017 at 20:10

    Hallo Ihr Lieben, Meer und Strand sehen toll aus. Die Hütte…., na ja. Hoffentlich habt Ihr bald besseres Wetter. Klasse, daß so viele Familien mit Kindern da sind und Frida sich richtig wohl fühlt.
    Liebe Grüße aus der Heimat
    Ini

  2. NikamitPaulina
    10. März 2017 at 7:53

    Ihr Lieben, gerade habe ich Paulina euren schönen Text laut vorgelesen und sie saß ganz ruhig auf meinem Schoss. Als dann die Bilder von euch kamen, ist sie ganz ausgeflippt vor Freude. ;D Aber nicht nur sie vermisst euch, wir auch!! Schön, dass es euch so gut geht. Da habt ihr einen tollen Platz Erde gefunden.
    Und Frida sieht aus wie ein kleines Surfer Girl, mit den blonden Haaren und dem braunen Teint!
    Bis bald! <3 Fühlt euch umarmt!

  3. Alexa
    21. März 2017 at 22:26

    Gerade mal wieder vorbegeschaut – ihr habt echt ne tolle Zeit, das freut mich so sehr. So sehr touristisch Thailand mittlerweile ist, es gibt sie doch noch die kleinen gemütlichen Ecken!

    Bald bin ich auch wieder da, leider verpassen wir uns gerade um ein paar Tage. Aber vielleicht klappt zuhause ein Wiedersehen. 🙂

    Genießt noch die Zeit!

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