Zeit für Zeit

Die Seiferts sind zu Besuch. Melli und Pierre gemeinsam mit Sohn Avid, Hund Wolfi und Wohnmobil (T)Rudi. Wir treffen uns in Alicante und wollen ein paar Tage zusammen fahren. Ihr Ziel heißt Marokko, aber sie haben es nicht eilig. Wir campen wild direkt am Strand. Schlagen unser Lager an einem Schotterparkplatz am Meer auf, haben unser Paradies gefunden. Jeden Tag scheint die Sonne. Wir frühstücken draußen, lassen die Babys den ganzen Tag im Sand spielen, (einige von uns) gehen baden, machen Yoga bei Mondschein und bemalen Steine. Das “Camping verboten” Schild scheint hier niemanden zu interessieren. Neben uns stehen noch ein paar andere Wohnmobile. Pierre sieht das Unheil als Erster kommen. Eine Schlechtwetter Front ist gemeldet, und wir beschließen weiter Richtung Süden zu fahren. Auch da schüttet es in Strömen. Bei diesem Wetter wollen wir nicht campen. 4 Tage soll es so bleiben.  Wir mieten kurzerhand ein Apartment, um trocken zu bleiben. Das stellt sich als beste Entscheidung heraus. Torrevieja wird uns für die kommenden Tage beherbergen. Dass eines der schlimmsten Unwetter seit langem auf uns zu kommt, ahnen wir zu diesem Zeitpunkt noch nicht. Tatsächlich herrscht eine Unwetterwarnung für Spaniens Costa Blanca. Es hört tagelang nicht auf zu regnen. Innerhalb weniger Tage überfluten die Straßen, gibt es Überschwemmungen. In Torrevieja bleiben wir von dem Schlimmsten verschont. In anderen Gebieten ist Land unter. Auf der Straße stehen wir fast knöcheltief im Wasser. Der arme Fridolin. An ihm geht das ganze Unwetter nicht unbeschädigt vorbei. Den Starkregen hält er nicht durch, innen kommt Feuchtigkeit durch. Nach 4 Tagen haben wir es überstanden. Wir fahren weiter zu einem Platz, von dem ich schon viel gehört habe: die Ziegenwiese bei Mazarrón. Ein inoffizieller Stellplatz (überwiegend) deutscher Überwinterer. Ein einfacher Schotterplatz, hier und da ein paar Büsche, ein paar kaputte Steinmauern, eine alte Hausruine. Kein Strom oder fließend Wasser. Dafür Meerblick aus erster Reihe. Hier stehen zur Zeit um die 30 Wohnmobile, vom umgebauten LKW bis zum Luxusliner ist alles dabei. Viele kommen wohl jedes Jahr hier her. Man kennt sich. Wir kommen am Abend an, es ist schon dunkel. Am nächsten Morgen werden wir neugierig begutachtet. Wir sind die Neuen, und die ersten hier mit Babys. Ansonsten hält sich das Alter wohl weit über 60+. Stephan läuft uns beim Frühstück über dem Weg, und klärt uns gleich über die Stellplatzbewohner auf: “Nur Rentner oder Kranke.” Außerdem 2 Klassen Gesellschaft. Die Freaks auf der einen, die Spießer auf der anderen Seite. Wir fühlen uns trotzdem wohl. Melli und Pierre gefällt es so gut, dass sie spontan beschließen, erstmal zu bleiben. Für uns heißt es aber vorerst: Abschied nehmen vom wilden Campingleben.

Im Country Club

Wir haben über die Feiertage ein Ferienhaus ganz in der Nähe gemietet, zusammen mit unseren Freunden Annika, Pablo und Baby Paulina, und Adrian. Mit Pool und allem drum und dran. Dafür ohne Meerblick. Unser Haus liegt in einem Country Club. Hier steht dicht bebaut Villa an Villa, und jede sieht mehr oder weniger identisch aus. Die Umgebung gefällt uns nicht. Dafür ist unser Haus schön und die Terasse riesig. Wir fühlen uns wohl. Leider ist der Pool viel zu kalt. Eisige 11 Grad zeigt das Thermometer. Robert, Adrian und ich wagen trotzdem einmal den Sprung ins kühle Nass. Das Meer gefällt uns da schon besser. Fast jeden zweiten Tag fahren wir zur sog. Schlangenbucht, gleich neben der Ziegenwiese, um dort den Tag am Strand zu verbringen. Hier badet Frida auch zum ersten Mal im Meer, und ihr gefällt es super. Vor den Wellen hat sie gar keine Angst. Und obwohl das Wasser kalt ist, stürzt sie sich furchtlos hinein. Weihnachten fällt leider für uns ins Wasser. Ein Magen Darm Virus setzt fast alle von uns außer Gefecht und wir verbringen die Feiertage zwischen Bett und Toilette. Nur Adrian und ich (Julia) bleiben verschont. Bis Silvester haben wir uns erholt. Wir erkunden die Gegend um Mazarrón und besuchen Lorca, Cartagena und die heißen Quellen in El Saladillo. Melli und Pierre sind inzwischen in der Ziegenwiese Gemeinschaft integriert. Zusammen mit anderen lieben Menschen haben sie eine richtige Art Wagenburg gebildet. Ins neue Jahr feiern wir alle zusammen bei Lagerfeuer und Gitarrenmusik unterm Sternenhimmel. Die Babys schlafen zum Glück friedlich in der Trage, so dass wir ein paar entspannte Stunden unter Freunden verbringen können. Das war also unser erstes Silvester mit Baby. Eigentlich ziemlich schön. Sehr entspannt und super gemütlich. Hallo 2017.

Zurück auf die Ziegenwiese

Nach 2 Wochen im Country Club fahren Robert und ich nochmal zur Ziegenwiese. Wir wollen noch 2 Nächte dort bleiben. Melli und Pierre sind auch noch hier und nehmen uns gleich in die Gemeinschaft auf. Wir stehen fast direkt am Meer. Von unserem Bett aus sehen wir den Sonnenaufgang. Was für ein Luxus! Frida und Avid nähern sich langsam an und spielen zusammen. Wir treffen Marion wieder, die schon an Silvester für musikalische Untermalung gesorgt hat. Auch sie ist mit Camper und Hund unterwegs. Ansonsten lassen wir die Stunden gemütlich an uns vorbei ziehen. Sitzen in der Sonne und führen interessante Gespräche. Hier scheint die Zeit still zu stehen. Und trotzdem sind die zwei Tage wie im Nu verflogen. Irgendwie wollen wir noch gar nicht los. Aber wir haben Termine. Was bleibt von der Ziegenwiese ist das Gefühl der Gemeinschaft. Dass es Menschen gibt, die ähnliche Weltansichten und Einstellungen haben. Und dass Zeit das schönste Geschenk ist. Wie Melli so treffend sagte: Zeit für Zeit.

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  1 comment for “Zeit für Zeit

  1. Ingrid Menz
    9. Januar 2017 at 18:38

    Tolle Bilder, ein sehr emotionaler Bericht von einem Leben, um das Euch sicher viele beneiden. So sieht es aus, wenn die Zeit keine Rolle spielt, Freunde und ein glückliches Leben im Mittelpunkt stehen. Da wird man doch sehr nachdenklich, ob man nicht was
    verpaßt hat ?????

    Wir grüßen Euch herzlich INI

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